1. Springjam

    der marathon beginnt. freitag 10.06.2011 um 16:45 stehe ich am bahnhof in wien und bin startklar. eine große menge hat sich schon eingefunden und wartet auf den eigenen bahnsteig einzuchecken, um dann mit dem partyzug nach slowenien zu fahren. von dort aus geht es dann mit dem bus nach porec in kroatien weiter. das ganze dauert in etwa 10 stunden und ist recht zermürbend, aber dennoch sehrsehr lustig: die leute feiern in den abteilen, haben musik und getränke dabei und oben drein gibt es auch noch einen partywagon, wo die leute zu den DJs abfeiern können. in kroatien angekommen geht es dann erstmal aufs zimmer die ausrüstung verstauen, bzw klarmachen für den ersten tag. direkt im anschluss frühstück mit einer vermutlich ziemlich ungesunden ladung kaffee. 

    im grunde genommen ging es aber eigentlich direkt am los mit einem haufen menschen an einem strand und einer riesen bühne mit einem DJ. die leute sind jetzt schon betrunken und sind hie und da auch mal schwierig, dennoch ist meine stimmung super und ich feier mit den leuten mit, nachdem ich mich im meer abkühlen war. so langsam fange ich auch mal an die ersten bilder zu schießen und verschaffe mir dabei einen überblick über das areal. es gibt einen beachvolleyballplatz, eine outdoorstage, einen supermarkt, zwei clubs und viele kleine bars und getränkestände. das wirklich coole aber sind die apartmentblocks in denen alle untergebracht sind. aus einzelnen apartments dröhnt musik und die leute grölen am balkon. es ist klar: ich muss hier mitpegeln, sonst halte ich diese meute nicht aus!

    mit einer flasche wein im fotorucksack geht es dann wieder an den strand, wo mir gesagt wird, dass ich für die fotos am bacardi partyschiff eingeteilt wurde. also mache ich mich in strandkluft, barfuß, auf den weg zum dock, wo die partygäste langsam eintrudeln. es ist 14 uhr und einzelne leute übergeben sich jetzt schon, oder grölen recht penetrant… 

    auf dem schiff geht es direkt los mit musik und einem deck voller menschen, die in der prallen mittagssonne einfach sich gehen lassen wollen und ein wenig das tanzbein schwingen mögen. als der DJ dann durchsagt, dass die bar unterdecks offen hat, verliert die menge den verstand und beginnt zu jubeln. ich ganz oben auf dem schiff und habe perfekte sicht aufs deck, als der DJ dann ankündigt, dass jetzt das beste foto von springjam 2011 geschossen wird. alles schreit, hebt die arme und jubelt. der DJ ist von der resonanz begeistert und das bild kann sich eigentlich auch blicken lassen.

    zurück an land geht es dann mit vier betrunkenen mädels, die sich ein wenig verlaufen haben, in richtung beach stage zurück, wo die vamummtn einen auftritt haben. nach dem auftritt beginnt der fotobearbeitungmarathon und ich merke zu meinem entsetzen, dass mein laptop streikt und muss meine fotoabgabe auf einen tag später verschieben. zum glück habe ich einen zimmergenossen, der mir seinen ausleiht für die nächsten tage.

    nach dem abendlichen crewmeeting geht es dann eine runde auf die zimmer. duschen, trinken und für die “crazy night” fertig machen. alle haben verrückte verkleidungen an. man sieht catwoman, xena, einen wrestler, affen, hulamädels und viele mehr. bespielt wird die meute auf zwei floors: einmal mit badtastemusik und einmal charts/house. ab einer gewissen uhrzeit kann ich dann einfach nichtmehr und möchte nurnoch schlafen… ich bin froh, dass ich es überhauptnoch in mein apartment schaffe und kringel mich auf meinem bett zusammen und schlafe sofort ein. 

    am nächsten morgen merke ich zuerstmal, dass ich freundlicherweise zugedeckt wurde. ausserdem steht mein zimmergenosse immer noch als nonne verkleidet vor meinem bett und möchte wissen, wo sein kopfkissen ist. leider habe ich um die uhrzeit recht wenig verständniss für solcherlei fragestellungen und drehe mich demzufolge um und schlafe noch eine runde weiter. 

    später dann, mit einem guten frühstück im magen, geht es wieder mit vollem programm am strand weiter: bmx/freerunning show, dodgeballturnier, wettshirtcontest etc. es ist eine ziemliche rennerei, aber auch die wird bravurös bewältigt. langsam kommen aber trotzdem meine koffeintabletten zum einsatz… ein glück, dass ich die dabeihatte! nachmittags bewege ich mich nochmal zum akkus laden in richtung zimmer und versuche zu schlafen. leider habe ich solches herzrasen von der unmenschlichen koffeindosis, dass an schlafen garnicht zu denken ist. schade, dann dusche ich eben und schaue, dass ich schonmal einen stoß fotos bearbeite. einer meiner zimmergenossen, adam, kommt rein und versucht mir betrunken eine standpauke darüber zu halten, dass ich nicht so viel arbeiten soll. 

    etwas ausgeruht und von adam’s standpauke amüsiert gehe ich zum strand zurück, wo jetzt martin solveig auflegt, der laut DJ-Mag auf dem #42en platz der DJ weltrangliste ist. ehrlich gesagt: man hört es nicht. auch ohne dj erfahrung kann ich, denke ich, getrost sagen, dass es kein besonderes können braucht mit laptop und cdj spielern die aktuellen charts aufzulegen. nichtsdestotrotz ist die stimmung phantastisch. ich vermute aber, dass dem publikum einfach ziemlich egal ist, was für musik gespielt wird…

    abends machen wir uns dann alle fertig für das weiße fest, also eine party ganz in weiß. für mich, als überzeugten fast immer nur schwarz träger, absolutes neuland! die stimmung im crewapartmentblock ist ausgelassen, in einzelnen zimmern wird gefeiert und auf dem gang sitzen leute und unterhalten sich. 

    endlich raffen wir uns dann auf und bewegen uns in richtung clubs. auf dem weg werden wir einer horde betrunkener “affen”, die uns brüllend entgegen rennen, erschrocken. in den clubs spielt eher chartlastige musik, die leute feiern alle ausgelassen und sind scheinbar bei bester laune. prinzipiell kann man sagen, dass es vom veranstalterischen aspekt her durchaus gelungen ist. dem publikum gefällt es auch sichtlich. nur ich bin nicht so ganz überzeugt und entschließe mich in laune zu trinken, das hat andere male auch schon funktioniert. und siehe da, was vodka redbull, mein allheilmittel, so anstellen kann: ich feier ausgelassen mit den leuten mit, knipse recht viel und ertappe mich selbst beim versuch zu tanzen. gegen ende der parties verabschiede ich mich in richtung strand, wo ich eine vodkalieferung an die DJs der sunriseparty vorbeibringe (ich rechne hier vor allem mit einem hohen wegzoll). auch hie sind schon einige leute, die recht ausgelassen feiern und es sich bei inzwischen warmen getränken gutgehen lassen. so langsam dreht sich auch alles bei mir und ich entschließe mich mitsamt tascheninhalt, sportschuhen und tshirt im meer wachzuplantschen. als ich merke, dass das keine so gute idee war, gehts zurück auf mein zimmer, wo ich noch eine halbe stunde schlafe. dann panisches zusammenpacken- die fotos müssen noch bearbeitet werden und es ist bald abschlussmeeting und somit auch abgabendeadline! 

    auch das wird bravourös gemeistert und ich kann mich endlich mitsamt gepäck irgendwo hin pflanzen, wo ich nicht vergessen werde und dringend benötigten schlaf nachholen. fehlanzeige, da mir jemand aus der crew zusätzlich zu meinem gepäck und meiner ausrüstung, noch ein mischpult aufhalst mit den worten “bring das mal zum bus”. ausserdem meldet sich mein magen und möchte mir mitteilen, was er so davon hält, wenn man kaum schläft, kein wasser trinkt und unmengen an alkohol vertilgt. da ich aber prinzipiell über dem stehe, was mein magen mir sagt, fasse ich den tollkühnen entschluss mich nicht zu übergeben und schleppe all mein zeug zu einem der 14 busse. als das ganze gepäck verstaut ist geht es mir auch schon etwas besser, zumindest körperlich. meine psyche hat scheinbar einigen schaden genommen in den vergangenen nächten, denn ich ertappe mich dabei, wie ich “welcome to st. tropez” von DJ Antoine mitsumme.

    endlich im bus mache ich es mir auf meiner kameraausrüstung gemütlich und fange an in lang ersehnten schlaf zu sinken- wieder fehlanzeige. ein feierwütiger junger mann hat seinen ghettoblaster mitgebracht und bespielt den bus mit den drei liedern, die er dabei hat. so langsam reicht es mir. aber ich spiele mit und sorge ab und an bei den grenzen für ruhe. endlich kommt dann das einkaufszentrum in bahnhofsnähe in sicht. daran erinner ich mich noch- jetzt gehts in den zug. wieder fehlanzeige. beladen steht an. so lansgam dreht sich nicht nur alles bei mir, sondern auch einiges mehr. zumindest hat es sich so angefühlt. dass das nicht möglich ist, ist mir schon klar. endlich im zug schaue ich, dass ich im projektleiterabteil lande- dort soll es ruhig zugehen. ich spreche mich mit den leuten ab und stelle zu meinem entzücken fest, dass auch die projektleiter in einer ähnlichen verfassung, wie meiner sind. 

    nach ein paar stunden schlaf mache ich noch alibihalber ein paar fotos im zug und verziehe mich dann in die crewabteile, wo mir die leute langsam laune machen mit auf xjam in die türkei zu fahren. so eine gemeinheit, ich merke ich lasse mich langsam irgendwie beeinflussen in der hinsicht. mehr und mehr verspüre ich den drang zu den projektleitern zu gehen und zu fragen, inwiefern es möglich ist doch noch kurzfristig in 2 wochen mitzufliegen. “kein problem”. na super, jetzt hab ichs mir eingebrockt, also ziehe ich es auch durch! ich verspreche den verantwortlichen emails zu schicken und finde mich mit meinem schicksal ab.

    endlich in wien angekommen will ich nur noch ins bett. meine sbahn kommt zum glück in zehn minuten… 

    alles in allem war springjam ein wirklich super erlebniss, voller lustiger erinnerungen und zum teil auch wirklich tollen menschen, mmit denen ich nach wie vor kontakt habe. wovor ich zu dem zeitpunkt wirklich angst hatte: das anstehende urban art forms. dort würde es nochmal wirklich wild werden, das wusste ich definitiv. also habe ich mir den rest der woche freigenommen, um zwei tage später wieder fit für ein elektronisches festival zu sein.

    1 year ago  /  0 notes