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Urban Art Forms Festival
es geht los. meine wäsche ist gewaschen, die verpflegung (bestehend aus Dosenfutter, Brot und Rum) ist eingepackt, die stimmung passt. es ist zehn uhr morgens und ich verfrachte meine Sachen in das auto eines schulfreundes. wir fahren noch schnell ein paar andere leute einsammeln, bzw treffen uns mit dem rest unserer lustigen fahrgemeinschaft. schnell geht es noch in den obi, wo wir einen campingpavillon kaufen und schon sind wir am weg in richtung wiener neustadt, wo dieses jahr das urban art forms festival stattfinden wird.
wir kommen an auf einem staubigen kiesparkplatz, der wind hat den sand aufgewirbelt und ich komme mir beim ausladen ein bisschen wie ein abenteurer in der wüste vor- vermutlich lag das aber auch an der backofennahen temperatur. mit unserem gepäck ausgestattet geht es in richtung zeltplatz, wo erstmal zeltaufbau und verpflegung ansteht. die im vorhinein über facebook organisierte zeltstadt besteht scheinbar schon, aber niemand weiß, wer davon schon da ist, geschweige denn, wo sich unsere “sin city” überhaupt befinden soll. glücklicherweise treffen wir auf noch weitere verlorene freunde und gemeinsam finden wir die zeltstadt. nach erfolgreichem zeltaufbau (bei manch anderem eher belustigend und weniger erfolgreich) sitzen wir uns zu den rund 50 leuten, die jeder über jeden irgendwie kannte. in der mitte der zeltstadt sind sechs pavillons zusammengeklebt (gaffa sei dank) und jeder, außer mir, hat einen campingsessel dabei. es wird also ein wenig entspannt und sich unterhalten, gegessen und getrunken. ich entschließe mich dann mal auf das gelände zu bewegen, wo meine kollegen von volume schon das große volumezelt aufgebaut haben- das ganze nennt sich dann der “volume festival kindergarten”, wo handyakkus gratis aufgeladen werden können, sitzgelegenheiten und spiele sind. ausserdem gibt es noch ein zweites zelt von eristoff tracks, wo ein DJ contest stattfindet.
nach anfänglichen schwierigkeiten kriege ich meine bänder: ein rosanes presseband und ein grünes band, wo in filzstift “foto” draufsteht. anscheinend ist das der fotopass. das kenne ich von anderen festivals etwas professioneller, in form einer karte, die man sich umhängen kann. ich finde jedoch schnell heraus, dass ich damit in keinen anderen bereich als den fotograben, bzw vor die bühnen komme. angesichts dessen, dass ich für den veranstalter selber arbeite sorge ich mittels meinem chef von volume dafür, dass ich zumindest eingeschränkten zutritt zum backstage/stage bereich kriege- noch ein band: dieses mal grün, mit aufrschrift “crew”. das sieht schon etwas wichtiger aus, so lässt es sich deutlich unbeschwerter fotografieren.
abends geht dann das warm up los- endlich. aber so wirklich warm will nach dem apokalyptischen regenschauer erstmal keiner werden und die stimmung ist noch etwas ruhig anfänglich. das ganze ändert sich jedoch schlagartig, als dann die ersten großen acts auftreten: foreign beggars zum beispiel. danach ist die meute bereit für feinsten drum and bass aus österreich mit den illskillz. das warm up verläuft für mich persönlich aber eher ruhig und ich gehe schon recht früh in richtung zeltplatz. glücklicherweise haben wir eine kleine kammer für fotografen bekommen, wo wir unsere sachen einsperren können über nachts.
am nächsten morgen geht es verknittert in richtung schwimmbad, das praktischerweise direkt neben dem zeltplatz ist. endlich den schmutz abduschen und die zähne putzen. ausserdem den abkühlungseffekt genießen, bzw sich im strudelbecken von der strömung einfach treiben lassen- einfach herrlich. erfrischt und wieder halbwegs munter geht es dann weiter zum volumezelt. hier wird besprochen was zu tun ist, bzw radler in großen mengen vertilgt- also ganz normales festivalprogramm.
im laufe des späten nachmittags kriegen wir am zeltplatz von den jungs von schluck den druck besuch, die uns persönlich dazu einladen um 18:30 bei der hauptbühne bei ihrem ersten auftritt in österreich dabeizusein. als ich anmerke, dass ich fotos machen werde versprechen sie mir eine großartige show. da ich mich von solchen versprechungen eher nicht beeindrucken lasse und lieber für mich selbst entscheide tingel ich fast pünktlich bei der hautbühne an und sehe, dass die jungs in circa fünf minuten beginnen. sie haben wirklich nicht zu wenig versprochen: es geht los mit einer wilden mischung aus elktro und punkrock, texten, die zum ausrasten motivieren und einer innerhalb weniger sekunden tobenden menge. ich stehe im fotograben und habe instinktiv den reflex in deckung zu gehen, besinne mich aber über meinen beruflichen wechsel vom berfussoldaten zum fotografen und fange mit der arbeit an. als meine speicherkarte anfängt zu glühen gönne ich mir eine pause zwischen zwei boxen (wobei die jungs aus berlin dem publikum keine pause gegönnt haben). als ich dann sehe, dass alex eine seltsame konstruktion, ähnlich einem laubbläser, auspackt befürchte ich großartiges: mit luftdruck bläst er silberne lamettastreifen ins publikum und die band rockt total ab. der menge scheint es auch gut zu gefallen, alle springen entzückt. scheinbar haben die wilden elektrorocker aus berlin noch was in petto… ein paar lieder später kündigen sie ihr lied “sektdusche” an. hier ist name programm. mit jeweils zwei sektflaschen bewaffnet stehen die zwei frontmänner vor dem publikum und verteilen in der ersten reihe auch noch weitere, animieren die leute auch davon zu trinken. beim höhepunkt des liedes kommt dann auch die versprochene dusche und die meute ist entzückt, genauso wie die künstler, die sich dankbar vor einem befriedigten publikum verneigen.
weiter ging es dann auf der drum and bass stage für mich (wo sonst), wo inzwischen die wirklich großen acts aufgefahren werden. leider kriege ich durch den inzwischen unmenschlichen schlafentzug nicht allzuviel davon mit, sondern bin mehr damit beschäftigt gute bilder zu schießen. im nachhinein erscheint es mir recht erstaunlich, dass ich ich es geschafft habe mehrere stunden neben monitorboxen auf einem festival zu stehen und im endeffekt nichts von der musik mitzubekommen.
am ende des abends bin ich nur noch ein wrack, die leute sagen mir auch, dass ich nicht allzu gut aussehen würde. also bewege ich mich in richtung zeltplatz mit dem plan ein aspirin zu nehmen, mich hinzulegen und wieder fit zu werden. mit wasserflasche im zelt und improvisiertem trinkbecher (ehemalige thunfischdose) fällt mir auf, dass ich das aspirin natürlich mitsamt meiner kameraausrüstung im büro eingeschlossen habe. wunderbar, also kein aspirin, da hilft nur noch der ipod, um das gegröhle und das basswummern auszublenden.
mitten in der nacht (ca. 7 uhr früh) werde ich von “hey sam, darf ich bei dir im zelt schlafen? ich hab keins…” geweckt. meine erste reaktion war ein recht forsches “nein!”, aber als ich dann gesehen hab, dass das nicht irgendwer, sondern durchaus ein bekanntes gesicht war, habe ich milde walten lassen. was ich bis an mein lebensende nicht verstehen werde ist, wie man auf einem festival an meinem fußende schlafen kann.
tags darauf stehe ich vor der wahl wieder ins überfüllte schwimmbad zu gehen, oder festivalhygiene walten zu lassen. ich entscheide mich für letzteres und verpasse mir einmal zähneputzen mit mineralwasser, rummunddusche und ein köstliches frühstück bestehend aus bier, brot, thunfisch und einer zitrone. darauf hin gabel ich mir ein paar leute auf und zettel unsinn an. schließlich haben alle anderen bis dato auch ihren spaß haben dürfen- jetzt bin ich mal dran. wir kommen an irgendeinem zelt vorbei wo halbwegs unangebrochener vodka und eine packung zigaretten rumliegen. der vodka wird mit ein paar zitronen getrunken, á la “schluck und beiß”-methode und die zigaretten überleben auch nicht lange. in einer verspiegelten sonnenbrille sehe ich ich mein gesicht und mir wird kurzzeitig schlecht. schluck und biss. alles wieder gut.
mit einem guten rausch in der tasche gehts wieder auf das gelände, wo plötzlich ein sturm das halbe volumezelt wegfegt. ich versuche zu helfen, wo ich kann, aber merke, dass ich einen teil meiner ausrüstung in den taschen habe und verdünnisier mich leider sehr unkameradschaftlich- aber schließlich will volume fotos von mir und nicht meine epischen zeltaufbauskills.
also geht es weiter mit der knipserei. erstmal zur drum and bass stage. natürlich. hier ist leider noch nichts los, also schaue ich auf die sogenannte turbostage, wo eher techno gespielt wird. zwar höre ich gerne mal techno, nur bin ich auch nach vielen versuchen meiner- und fremderseits leider nicht dafür zu begeistern. also finde ich mich einfach mit meinem schicksal ab und gehe wieder zurück zu meiner musik, wo die stimmung auch schon besser ist inzwischen. noch warte ich aber vergebens auf meinen persönlichen liebling john b, der laut facebook und sms noch im auto sitzt, am weg vom flughafen. in der zwischenzeit genieße ich den komfort des backstage leben mit jedem getränk um einen euro und sitzmöglichkeiten, sowie direktem zugang zu lang ersehnter frischluft.
inzwischen ist john b eingetrudelt, mit vodka redbull von mir in empfang genommen und direkt bequatscht. als ich merke, dass nicht unbedingt alles einen sinn ergibt, was ich von mir gebe, lasse ich den mann in ruhe vor seinem auftritt und geehe kurz tanzen. ausgeschwitzt und wieder bei halbwegs klarem kopf (danke koffeintabletten!) geht es weiter. die nacht verschwimmt zu einem zähen brei an erinnerungen, lichtern und musik. ich merke: ich brauche wirklich dringend schlaf! john b habe ich noch in etwa am schirm, während noisia wirklich nur noch erinnerungsbrei ist. camo & krooked erlebe ich wiederrum sehr präsent, während bei netsky meine energie langsam wirklich zu neige geht…
ich mache mir garnicht erst die mühe mich zu verabschieden (schande über mich) und gehe ins büro, wo ich mein equipment startklar für den nächsten morgen verstaue. dann ab zum zelt und gen süßem schlaf!
mein weckruf ist ein noch/wieder betrunkener schrei ins zelt “samuel, steh mal auf, wir fahren dann bald”. ich kämpfe meine augen auf und sehe ein wenig licht in mein zelt hineindringend. das ist kein gutes zeichen, in anbetracht dessen, dass es in der nacht ziemlich geregnet hat. entsetzt stelle ich fest, dass so ziemlich alles, was ich an klamotten dabeihabe, nass geworden ist. bringt nichts sich zu ärgern, ich verstaue alles in plastiktüten, trockne mein zelt wild schüttelnd und gönne mir ein bisschen brot und zitrone- alles, was von meiner köstlichen festivalnahrung noch übrig ist. schnell noch einen sprung ins büro, die ausrüstung holen, die kollegen von volume verabschiedet und schon geht es in richtung wien.
adieu urban art forms festival, bis nächstes jahr! es war sehr schön mit dir, auch wenn du mir den schlaf geraubt hast.
nächster halt: türkei, eine woche x-jam!